19. November 2009
OLD MOP BUCKET: setzt den kessel auf
Die merkwürdigste Musik des Tages fand ich heute, als ich auf youtube nach einer Banjo-Version von "Molly Put The Kettle On" suchte. Ich fand zwar kein Banjo, dafür aber einen gewissen Old Mop Bucket (er dürfte keinen Facebook-Account besitzen), der mit einem Waschbrett - so glaube ich zumindest - und einem mir nicht bekannten Instrument Scratch-artige Geräusche fabriziert, wie sie auch Moondog gefallen hätten. Dazu leiert er den Text unverständlich in seine möglicherweise nicht vorhandenen Zähne. Aufnahme kommt aus einem fernen Jahrhundert zu uns aber sowas von rübergerauscht.
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17. November 2009
ROBERT FRIPP: bitte fortführen

ROBERT FRIPP: exposure (1979)
Auch wieder so ein Album, das ich erst jetzt entdeckt habe und schätze. Mit längst liebgewonnen Gestalten (Peter Hammill, Brian Eno), mit Beiträgen von Typen, gegen die ich mich langsam nicht mehr wehren kann (Peter Gabriel, Phil Collins), mit Fripp natürlich, dem Urheber dieses technischen Gebräus am äußeren Rande der 1970er Jahre. Prog-Fälle, noch längst nicht erledigt, Aufwind in Wave- und Post-Wave-Zeiten. Mitschnitte von Tonbandgesprächen, brachiale Gitarren manchmal (und ein brachial singender Peter Hammill manchmal auch), Frippertronic-Bandschleifen, ein intellektuell zupackender Strom. Ruhige Momente, in denen Eno einfach Eno ist. Ein paar Bits Soulmusik werden eingestreut. Dann wieder Kabelbuchsen voller Energie und Elektrosturm. Von 1979, dem Jahr, würde man es aus der Musik herausschneiden können, alles Folgende in sich zusammenfallen würde.
Im Prinzip ist auch ohne das Herausschneiden von 1979 in der Folge alles zusammengebrochen. Die 80er nahmen sich nur die Maschinen aus den ausgehenden 70ern mit, nicht aber den Willen, sie auch dem Publikum um die Ohren zu hauen. Diejenigen, die das stattdessen aber doch tun wollten, orientierten sich erst an den Psych-60ern, und dann an amerikanischem Punk-Metal. Ok, ich schweife ab und bin wahrscheinlich auch gerade etwas unfair. Bitte hören Sie sich „Exposure“ an, und wenn Sie musikalisch talentiert sind, machen Sie bitte an dem Punkt weiter.
(ahrensfeld gesiezt und geduscht ab)
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Robert Fripp
15. November 2009
SAVOY GRAND: teil 2 - nahe kommen
(Fotos: Stephan. ueberzahl.net. Danke!)
Was bisher geschah: Nachdem der Audioforscher Ahrensfeld lange Zeit hindurch seine Beobachtungen der Spezies Savoyus Grandus aus respektabler Entfernung versah, entschied er sich nun, nach Jahren des stillen Studiums, der faszinierenden Erscheinung einer genaueren Untersuchung zu unterziehen. Er pirschte sich vorsichtig an Savoyus Grandus heran, durchbrach den inneren Bannkreis und kam dem scheuen Wesen näher als er es bisher je gewagt hatte. Er hielt den Atem an, als er nur noch fünf Armeslängen vom Forschungsobjekt entfernt war. Vorsichtig setzte er seine Ohrapparatur zur Verstärkung akutischer Signale auf und lauschte.
Nee, jetzt mal Scherz beiseite. Ich habe mir tatsächlich „Accident Book“ konzentriert reingezogen, und bin zu der Überzeugung gelangt, ihr bisher zugänglichstes und trotzdem dadurch nicht minder beeindruckendes, an düsteren (klar) und erhellenden (das war nicht so klar) Momenten reiches Album vorliegen zu haben. Songstrukturen, Melodiebögen, Stimmungen erschließen sich leichter. Anders als bei den Vorgängeralben habe ich den Eindruck, sofort Zugänge zu finden, mich nicht einhören zu müssen. Es wirkt attraktiv, in die Nähe dieser Platte zu kommen, auch wenn das Wetter/Gemüt gerade nicht regnerisch ist.
Die drei Einstiegssongs machen es leicht: „A Good Walk Spoiled“ überrascht und überzeugt durch ein auf dem Keyboard gespieltes Trompetenmotiv und ein dunkel rollendes Klavier. Allesamt Einsamkeitsmotive: „When he gets home/ you’re still alone“. „Day Too Long” hat einen Refrain, der mir nicht mehr aus dem Kopf geht: Up in the morning out in the light/ you won’t remember most of this life/ try to hold on/ to things that are truth/ I’m not a fighter/ I won’t fight you. Dazu einen steten, etwas stotternden Groove, der manchmal wieder aufreißt, wie ein Wetterumschwung. Das dritte Stück - „Fourcandles“ - beginnt traurig mit Oboe, erhellt sich dann aber, nachdem es noch einmal tief Atem holt: Ein schnelles Trommelmotiv, es geht um Veränderungen, um hinter sich Gelassenes.
Das heißt nicht, dass hier nicht auch Traurigkeit ein rauchendes Gewehr ist. Zum Beispiel „The Undertaking“ und „The Plan“ sind wieder Standbild-artig konzipierte Songs der eingefrorenen Erinnerungen an Sehnsüchte, verwunderte Erkenntnisse und möglicherweise falsche Entscheidungen. „The Doctor’s Teeth“ ist so ein typischer Savoy-Grand-Schleicher, mit Akustikgitarre und Standbass. Ein beeindruckendes Beispiel für die epische Seite der Band ist „Last Night On Earth“. Eine langgezogene Savoy-Grand-Etüde wie man es fast erwartet (und sich fragt, wieso es immer wieder klappt). Es geht ums Warten, nicht ums Plappern. Das kann man nicht twittern (ja, hab ich geklaut, schon klar), das passt in keine Messagebox. Zum Ende hin läuft der Track aus wie ein gerade trockengelegtes Flußbett. Man trifft sich noch auf einen Black-Earth-Drink im Bohrenclub.
Erstaunlich, was mit genau gesetzten Gitarren- und Bassfiguren, einer meist sparsam platzierten Trommel und dem ein oder anderen Überraschungsgast (Oboe, Keyboard) immer noch alles möglich ist - ohne in plakativem Wüstenambient (a la Calexico oder Friends Of Dean Martinez) abzudriften oder irgendeinen Doom-Kontext mehr als nur zart anzudeuten. Ein derartiger Image-Filter, der den Blick verzerren könnte, scheint mir bei Savoy Grand nicht vorhanden zu sein. In der Art und Weise, wie Savoy Grand ihren Weg in den genauen Zusammenklang einzelner Töne finden, bleiben sie daher (für mich) einsam in ihrer eigenen Liga.
Als Kontext dient ihnen scheinbar einfach ihr Lebensumfeld, dessen Umstände und kleinen Begebenheiten mit großer Wirkung, und die Folgen, die eigenes oder fremdes Handeln auf den Fortgang der eigenen persönlichen Geschichte haben. Falls man überhaupt von einer Chiffre, einer Kodierung sprechen kann, dann ist es diejenige der literarischen (und korrespondierend dazu der musikalischen) Aussparung, der Poesie, also des Gedichts. Wie schwer es ist, Geschichten dem Leben abzuringen, sie durch Aussparung zu verdichten und nur mit den allernotwendigsten Tönen auszustatten - zumindest wenn man großen Wert auf präzise Umsetzungen legt - zeigen ihre langen und unregelmäßigen Veröffentlichungszyklen.
Höhepunkte sind für mich diejenigen Songs, die neue Nuancen zum bisherigen Schaffen addieren, nicht weil die anderen, typischen Savoy Grand-Songs auf „Accident Book“ schlechter sind (sie gehören zum Besten, soweit ich das beurteilen kann, aber ich bin mir da ziemlich sicher), sondern weil sie eben wieder einen anderen Blick zulassen, vielleicht sogar erst der Grund sind, warum sich die Band entschlossen, hat, sich wieder einmal zu melden: Ein paar Ereignisse sind neu hinzugekommen, sie haben kleine Perspektivwechsel hervorgerufen. Der Blickwinkel ist etwas freundlicher und offener. Die künstlerische Umsetzung so sorgfältig wie ehedem. Es fällt schwer, unter dem Eindruck ihrer nach wie vor sehr ernsten Kunst in euphorischen Superlativen zu schwelgen. Für diese Art der Musik scheinen mir solche Begriffe abgenutzt und profan. Ich höre keinen Schwachpunkt auf „Accident Book“. Keinen einzigen.
SAVOY GRAND accident book /// VÖ 27.11.2009
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12. November 2009
SAVOY GRAND: teil 1 - aus der entfernung

SAVOY GRAND accident book
VÖ 27.11.2009
Uiih, sind die schnell geworden! - schoss es mir in den Kopf, als ich „Accident Book“ zum ersten Mal anspielte, und kundige Hörer von Savoy Grand wissen, dass sich das Verhältnis von schnell und langsam anders darstellt, wenn man sich auf diese Band erstmal eingelassen hat. Denn ihre Musik und ihre Gedanken kreisen den zu besingenden Gegenstand so langsam ein, dass man versucht ist, aus lauter Ungeduld die Musik selber weiter zu denken, bevor es die Band tut.
Seit ein paar Jahren nun schon stellt sich mir die Frage, warum Savoy Grand eine nicht geringe Anziehungskraft auf mich ausübt. Ich kaufe mir stetig ihre Alben, obwohl ich sie selten höre. Höre ich sie doch einmal, kann ich sie nicht voneinander unterscheiden. Ich höre vereinzelte Klänge auf Gitarre und Bass, ab und an bespelzt von einem Keyboard, noch seltener von tiefkörpernden Trommeln vorsichtig begroovt, und ganz ganz selten taucht ein Waldhorn auf und zieht eine somnambule Szenerie in etwas hinein, das ich sowenig zu fassen bekomme wie die unscharfen Cover ihrer Platten (nur einmal gelang es mir, darauf ein altes Möbelstück zu identifizieren). Ich höre die Stimme eines Mannes, die nie durch andere Stimmen unterstützt wird. Immer ist sie auf sich alleine gestellt. Ihr Echo fällt durch die Musik hindurch, wie eine Sardine durch ein Schleppnetz. Aber trotzdem sie traurig und verlustreich klingt, scheint sie doch eine zeitliche Entfernung zum Geschehen entwickelt zu haben - oder bin ich es einfach nur, der diese Entfernung fühlt, weil mir Savoy Grand unmittelbar nicht greifbar erscheint?
Es ist nämlich so, als existiere die gesamte Präsentation der Band - Musik, Texte, Cover, Aussehen, Herkunft, Veröffentlichungsrhythmus- in einem anderen Realitätstunnel, und ich würde nur lückenhaft mit diesem Tunnel Kontakt aufnehmen können. Ich weiß bis heute nicht, wie die Typen überhaupt aussehen. Meine Vorstellung sagt mir: Sie sehen aus wie felt in den 80ern aussah, würde man ein halbes Leben auf dem Land hinzuaddieren. Wo kommen sie her? Sind sie Schotten, Engländer, Waliser, Iren? Keine Ahnung. Irgendwo von der Insel müssen sie kommen.
Noch eine merkwürdige Sache, die ich unmittelbar mit dem Bandschaffen selbst erkläre: Ich habe alle ihre CDs per Post bekommen. Nie wäre es mir in den Sinn gekommen, sie in einem Plattenladen zu kaufen. Ich glaube, dass hätte mir den Warencharakter der Musik zu nahe gebracht. Bei Savoy Grand-Alben muss der Zusammenhang von Geldverkehr und Warenausgabe so weit wie möglich ausgeblendet werden. Ich muss möglichst vergessen haben, dass ich das Album bestellt und bezahlt habe. Es muss eines Tages einfach erscheinen.
So erschien dann auch vor ein paar Tagen „Accident Book“ bei mir - als Promo-Exemplar. Ich musste also noch nicht mal ausblenden, dass sich das Album in Form einer bezahlten Ware materialisierte. Es war wirklich plötzlich einfach nur da! Ich kann diesmal auf dem Cover auf Anhieb etwas erkennen (Schweine und Steine), und ich habe mich anfangs von relativer Geschwindigkeitszunahme überrumpeln lassen. Die Frage ist ja, ob die ausgesucht Platz findenden Songgebilde von Savoy Grand nicht gerade dann zusammenbrechen, wenn sie auf solide Füße gestellt werden. Verletzt zuviel Rhythmus nicht die Intimsphäre, unter der ihre Liedgebilde erst so richtig in voller und bescheidener Pracht gedeihen?
Um die Musik bei ihren Intimitäten so wenig wie möglich zu stören, habe ich mich jedenfalls - wie immer eigentlich - dezent zurückgezogen und „Accident Book“ aus der Entfernung gehört, während ich mich taktvoll anderen, ablenkenden Tätigkeiten widmete. Was von Weitem an mein Ohr drang, gefiel mir allerdings so gut, dass ich im zweiten Teil der Savoy Grand-Geschichte jegliche Höflichkeit fahren lasse und mich rücksichtslos an die einzelnen Tracks ranschmeiße. Aus der Entfernung in die Nähe, sozusagen. Zerstört der furchtlose (und manchmal recht ungeschickte) Audioforscher damit das zu beobachtende Objekt? Wird ihm dieser Blick von Nahem zum Verhängnis werden? Wird das Verhältnis von Prof. aud. phil. Ahrensfeld zu Savoy Grand danach unrettbar zerrüttet sein? Lesen Sie die Fortsetzung jetzt in dieser Bibliothek.
3. November 2009
ZUZEITEN-REDAKTIONSORCHESTER: buffalo gals
Wieder versammelte sich das Zuzeiten-Redaktionsorchester im "Redaktorraum" - wie wir hier scherzhaft unser Redaktionskabuff nennen - und wieder glänzten große Teile der Belegschaft durch Abwesenheit. Während der eine sich unbedingt um sein Grimm-Core-Metal-Ambient-Projekt kümmern musste, wollte der andere noch ganz dringend mehrere hundert dutzend durchgefallene CDs durchskippen.
Da auch George Martins Milchmann absagte, musste Ahrensfeld die ganze Arbeit alleine machen und fummelte sich durch "Buffalo Gals" durch (nein, das ist nicht von Malcom McLaren). Eine kleine und feine Melodie, die sich sogar in dieser Anfängerversion ganz hübsch entfaltet. Es gibt halt Melodien, die kriegt selbst Ahrensfeld nicht kaputt.
Demnächst wird übrigens Wolfgang (a.k.a. Woofgääng) als Proforma-Redaktionsassistent und hauptamtlicher Banjo-und-Gitarren-Wizzard zum Orchester hinzustoßen. Bleiben Sie dran.
Da auch George Martins Milchmann absagte, musste Ahrensfeld die ganze Arbeit alleine machen und fummelte sich durch "Buffalo Gals" durch (nein, das ist nicht von Malcom McLaren). Eine kleine und feine Melodie, die sich sogar in dieser Anfängerversion ganz hübsch entfaltet. Es gibt halt Melodien, die kriegt selbst Ahrensfeld nicht kaputt.
Demnächst wird übrigens Wolfgang (a.k.a. Woofgääng) als Proforma-Redaktionsassistent und hauptamtlicher Banjo-und-Gitarren-Wizzard zum Orchester hinzustoßen. Bleiben Sie dran.
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ZUZEITEN-REDAKTIONSORCHESTER
31. Oktober 2009
ZUZEITEN-REDAKTIONSORCHESTER: wildwood flower
Um zwischendurch einmal unseren vielen, vielen Gästen, die tapfer den Zu-Zeiten-Blog besuchen, unseren Dank auszudrücken, hatte die Redaktion die Idee, ein kleines Musikstück einzuüben und der unvorbereiteten Weltöffentlichkeit liebevoll um die Ohren zu hauen.
Leider sagten zwei Drittel der Redaktion die Session aus fadenscheinigen Gründen ab, sodass Ahrensfeld ganz alleine den Job übernehmen musste. Hier also das Zuzeiten-Redaktionsorchester mit einem alten, schmooven Heuler der Carter Family: Wildwood Flower. Das Video gibt auch aufschlussreiche Einblicke in den Redaktionsraum, der mit einer Pritsche für den Nachtdienst ausgestattet ist und zudem mit einer zusammengeklebten Fake-Plattensammlung punkten kann.
Leider sagten zwei Drittel der Redaktion die Session aus fadenscheinigen Gründen ab, sodass Ahrensfeld ganz alleine den Job übernehmen musste. Hier also das Zuzeiten-Redaktionsorchester mit einem alten, schmooven Heuler der Carter Family: Wildwood Flower. Das Video gibt auch aufschlussreiche Einblicke in den Redaktionsraum, der mit einer Pritsche für den Nachtdienst ausgestattet ist und zudem mit einer zusammengeklebten Fake-Plattensammlung punkten kann.
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ZUZEITEN-REDAKTIONSORCHESTER
12. Oktober 2009
PHILLIP ROEBUCK: spieglein spieglein auf dem dach ...
... wer macht den schönsten Aufruf in der Stadt? Der Roebuck ist's. Es geht doch nichts über ein 16-Dollar-Video und einen Banjo (und Trommel) spielenden Straßenmusiker.
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PHILLIP ROEBUCK
2. Oktober 2009
FINE. METZGER. SERU medusas versteck

November-Zeit, Paul-Metzger-Zeit. Auch wenn diese Faustregel auf andere Monate ausgedehnt werden könnte, wartet die gesamte Zu-Zeiten-Redaktion schon auf jenen feucht-kalten und windigen Monat im Jahr, um das neue Oevre von Paul Metzger in Empfang zu nehmen. Diesmal spielt sich der furchtlose Modified-Banjoist einen Wolf mit zwei Mitkombatanten, nämlich Milo Fine und Davu Seru.
Mal hübsch nach Milo Fine und Davu Seru gegooglet, ergab folgendes: Milo Fine ist ein Perkussionist, der auch mal mit Derek Bailey rummachte. Davu Seru: Ebenfalls Drummer, aber auch gelegentlich mal Cello oder Saxophon. Beide sind natürlich Improvisanten, und mit Metzger hätten wir deren schon drei. Weitere unglaubliche Koinzidenz: Haben alle ein Standbein in Minneapolis, und auch das Spielbein zeigt sich dort gerne. Ich bin gespannt und vermute ein Wechselspiel aus rabiater Stille und Einsturzgefahr. Mehr dann, wenn es soweit ist.
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23. September 2009
NICK MASON's robert-wyatt-album

Wer von Robert Wyatt das Meiste hat, weil er/sie Robert Wyatt so schätzt (warum auch sonst?), der/die sollte ruhig mal Nick Mason’s „Fictitious Sports“ (1981) mitnehmen, falls er/sie es irgendwo stehen oder zum Download bereit sieht. So tat ich es nämlich letztens und habe es als alter Wyatt-Addikt nicht bereut.
Wyatt singt auf 7 von 8 Songs. Und irgendwie wird alle Musik, zu der er singt, immer automatisch zu genuiner Robert-Wyatt-Musik. Die Songs selber sind nicht etwa von Nick Mason (Pink Floyd-Drummer, für die Zugezogenen) komponiert, sondern allesamt von Carla Bley, die auch mitspielt. Aufgenommen 1979 in New York, lässt „Fictitious Sports“ tatsächlich manchmal ein bisschen den damaligen zickigen NYC-Wave-Funk durchscheinen, es überwiegt dabei aber ein für die Keyboarderin und Jazz-Komponistin Carla Bley irgendwie typischer Weill’scher Einschlag.
Recht viele Blasinstrumente sind versammelt, aber z.B. auch die E-Gitarre Chris Spedddings. Kein wirklich schwaches Stück (mehr Song als Jazz), immer noch hörbar. Und wie gesagt, Robert Wyatt summt nicht nur ein bisschen mit, sondern ist so prominent platziert wie auf seinen eigenen Platten. Nick Mason hat’s zusammen mit Frau Bley produziert. Ziemlich gute Platte. Michael Mantler und Gary Windo mischen auch mit. Mason gebührt ja sowieso viel Respekt für die Produktion von „Rock Bottom“.
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31. August 2009
SARAH JAROSZ: wie kann man nur?

Wie kann man denn mit 17 Jahren schon solch weise verwurzelte Musik machen? Wie kann man denn schon so gut Banjo (Clawfinger), Mandoline, Gitarre etc spielen? Wie kann man denn schon in dem Alter mit der Creme de la Creme von Folk und Bluegrass zusammenspielen (so las ich)? Wie kann man denn schon so toll singen?
Egal, man kann bzw. Sarah Jarosz kann. Ich bitte darum, die Distelmeyers der Welt einen kurzen Augenblick die Distelmeyers der Welt sein zu lassen und diesem von leichter, virtuoser Hand eingespielten Tiefenfolk zu lauschen, ohne sich "verzaubern" zu lassen, denn mir scheint hier kein Wischiwaschi-Elfen-Kram am Wirken zu sein.
CD ist bestellt.
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